Markus Begerow 🇩🇪Markus Begerow unterstützt Start-ups, Unternehmen und Organisationen dabei, das strategische Potenzial von Daten, künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien zu erschließen. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung analysiert er regelmäßig die digitalen Geschäftsmodelle und den technologischen Reifegrad von Zielunternehmen und identifiziert Möglichkeiten zur Modernisierung von IT-Architekturen, zum Ausbau von Daten- und KI-Fähigkeiten sowie zur Steigerung des langfristigen Geschäftswerts. 🇬🇧About the author: Markus Begerow helps start-ups, enterprises and organisations to unlock the strategic potential of data, artificial intelligence and blockchain technologies. With over 15 years' experience in strategic consultancy, he regularly analyses the digital business models and technological maturity of target companies, identifying opportunities to modernise IT architectures, expand data and AI capabilities, and increase long-term business value.🔗 Connect via: LinkedIn (Follow) | Twitter | Instagram (Follow)

KI verstehen statt KI glauben - eine Orientierung im KI-Zeitalter

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Auf dem DVPT Kongress 2026 hatte ich die Gelegenheit, einen Vortrag zu halten, der bewusst gegen den aktuellen KI-Hype argumentiert hat. Unter dem Titel „KI verstehen statt KI glauben - eine Orientierung im KI-Zeitalter“ ging es mir nicht darum, neue Tools vorzustellen oder die nächste Welle an Innovationen zu feiern. Vielmehr wollte ich einen Schritt zurückgehen und eine grundlegendere Frage stellen:

Verstehen wir eigentlich, was wir da einsetzen oder glauben wir nur daran?

Der DVPT Kongress als Plattform für Organisation und Transformation

Der DVPT Kongress ist keine klassische Technologiekonferenz. Im Zentrum stehen vielmehr Themen wie Prozessmanagement, Organisationsentwicklung und strukturelle Transformation. Genau deshalb ist der Kontext besonders spannend: KI wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenspiel mit Organisation, Verantwortung und Steuerung.

Viele Beiträge auf dem Kongress haben gezeigt, wie stark der Wunsch nach Effizienzsteigerung und Automatisierung ist. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die eigentlichen Herausforderungen oft ganz woanders liegen, in gewachsenen Strukturen, fehlenden Ressourcen und komplexen Prozessen.

Diese Perspektive war entscheidend für meinen Vortrag. Denn sie macht deutlich, dass KI nicht im luftleeren Raum wirkt, sondern immer innerhalb bestehender Organisationen.

KI verstehen statt KI glauben - warum diese Perspektive notwendig ist

Unter dem Titel „KI verstehen statt KI glauben - eine Orientierung im KI-Zeitalter“ ging es mir bewusst nicht darum, den nächsten Hype zu verstärken. Vielmehr wollte ich eine Gegenperspektive einnehmen und hinterfragen, wie belastbar die aktuellen Erwartungen eigentlich sind.

Ein zentraler Gedanke war dabei: KI ist kein neues Phänomen. Die Entwicklung reicht Jahrzehnte zurück, was auch in den Slides anhand der historischen Einordnung sichtbar wurde. Neu ist jedoch die Dynamik. Mit dem Aufkommen generativer KI und Plattformen wie ChatGPT hat sich die Wahrnehmung grundlegend verändert. Aufmerksamkeit, Nutzung und Erwartungshaltung sind nahezu gleichzeitig explodiert.

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Doch genau darin liegt das Problem. Diese Dynamik erzeugt schnell den Eindruck, dass technologische Leistungsfähigkeit automatisch zu organisatorischem Fortschritt führt. Und genau das ist nicht der Fall.

Zwischen Hype, Realität und Agentic AI

Ein wichtiger Teil meines Vortrags war die Einordnung des aktuellen Technologiestands. Nach der Phase generativer KI rückt nun zunehmend das Thema „Agentic AI“ in den Fokus, also Systeme, die nicht nur Inhalte erzeugen, sondern eigenständig Aufgaben planen und ausführen können.

Das klingt nach einem echten Quantensprung. Und technisch ist es das auch.

Was heute Spitzenleistung ist, kann morgen überholt sein - Benchmarks hinken der KI-Realität hinterher

Gleichzeitig zeigen Prognosen, dass ein großer Teil dieser Projekte scheitern wird. Nicht, weil die Technologie nicht funktioniert, sondern weil sie nicht in funktionierende Strukturen eingebettet ist.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Leistungsfähigkeit von KI entwickelt sich mittlerweile schneller, als wir sie überhaupt sauber bewerten können. Benchmarks verlieren an Aussagekraft, während Modelle kontinuierlich besser werden. Gleichzeitig bleiben Themen wie Sicherheit, Governance und verantwortungsvoller Einsatz deutlich zurück, teilweise fließt nur ein minimaler Anteil der Ressourcen in diese Bereiche. Das führt zu einer gefährlichen Schieflage:

Technologie entwickelt sich exponentiell - Organisation nicht.

Die eigentlichen Herausforderungen liegen nicht in der Technologie

Was sich auch auf dem DVPT Kongress immer wieder bestätigt hat: Die größten Herausforderungen von Organisationen liegen nicht im fehlenden Wissen.

Weniger Nachwuchs, weniger Einstiegsjobs - KI verschiebt die Spielregeln am Arbeitsmarkt

Vielmehr geht es um:

  • Fachkräftemangel
  • demografischen Wandel
  • komplexe und historisch gewachsene Prozesse
  • steigende regulatorische Anforderungen

Diese Themen wurden auch in den Daten und Analysen der Präsentation deutlich sichtbar. KI wird häufig als Lösung für genau diese Probleme gesehen. Und ja, sie kann unterstützen. Sie kann Prozesse beschleunigen, Analysen verbessern und Mitarbeitende entlasten.

Aber sie ersetzt keine Organisation!

Im Gegenteil: Sie verstärkt bestehende Strukturen. Funktionierende Prozesse werden effizienter. Schlechte Prozesse werden schneller schlechter.

Schatten-KI - wenn die Realität schneller ist als die Strategie

Ein Thema, das im Kongresskontext besonders relevant ist und auch in meinem Vortrag eine zentrale Rolle gespielt hat, ist die sogenannte „Schatten-KI“. Während auf Management-Ebene noch Strategien entwickelt werden, nutzen Fachbereiche längst KI-Tools im Alltag. Texte werden automatisiert erstellt, Daten analysiert und Prozesse vereinfacht, häufig ohne klare Governance. Das führt zu einer unsichtbaren Parallelstruktur:

  • Daten verlassen kontrollierte Umgebungen
  • Nutzung ist nicht transparent
  • Verantwortlichkeiten sind unklar

Die Slides haben diese Situation sehr deutlich beschrieben: KI-Nutzung findet bereits statt, nur oft am IT-Radar vorbei. Das ist kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Entwicklung.

KI als Infrastruktur denken, nicht als Tool!

Der vielleicht wichtigste Perspektivwechsel, den ich im Vortrag vermitteln wollte, ist folgender:

KI ist kein Tool. KI ist Infrastruktur!

Das hat weitreichende Konsequenzen. Es geht nicht mehr darum, einzelne Anwendungen zu integrieren, sondern darum, eine stabile, kontrollierbare und skalierbare Grundlage zu schaffen. Die Slides haben hierzu konkrete Ansätze gezeigt:

  • Governance by Design
  • modulare und modellunabhängige Architekturen
  • vollständige Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen
  • Kontrolle über Daten und Systeme

Gerade der Punkt der Modellunabhängigkeit ist entscheidend. Anbieter und Technologien werden sich weiter verändern. Nur wer architektonisch sauber aufgestellt ist, bleibt langfristig handlungsfähig.

Mein persönliches Fazit zum DVPT Kongress 2026

Der DVPT Kongress hat sehr deutlich gezeigt, dass wir uns aktuell in einer Phase zwischen Aufbruch und Orientierung befinden. Das Interesse an KI ist enorm, die Möglichkeiten sind beeindruckend, aber die strukturelle Einordnung steht vielerorts noch am Anfang.

Sonja Thiele (WIK) und Markus Begerow im Austausch beim DVPT Kongress 2026

Was ich besonders spannend fand: Die Diskussion verschiebt sich langsam. Weg von der Frage „Was kann KI?“ hin zu „Wie integrieren wir KI sinnvoll in Organisationen?“. Genau diese Entwicklung ist notwendig. Für mich persönlich lässt sich der Kongress auf einen zentralen Gedanken verdichten:

KI entscheidet sich nicht am Modell, sondern an der Organisation!

Wer KI lediglich als Werkzeug betrachtet, wird kurzfristige Effekte erzielen, aber langfristig an Grenzen stoßen. Wer sie hingegen als infrastrukturelle Entscheidung versteht und entsprechend in Architektur, Governance und Prozesse investiert, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.

Oder anders formuliert:

  1. Was nicht prüfbar ist, ist nicht organisationsfähig.
  2. Was nicht kontrollierbar ist, ist nicht souverän.
  3. Und was nicht strukturell eingebettet ist, bleibt ein Risiko!

Der DVPT Kongress hat gezeigt, dass genau dieses Verständnis gerade entsteht. Jetzt geht es darum, es konsequent umzusetzen.

Slides

Markus Begerow 🇩🇪Markus Begerow unterstützt Start-ups, Unternehmen und Organisationen dabei, das strategische Potenzial von Daten, künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien zu erschließen. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung analysiert er regelmäßig die digitalen Geschäftsmodelle und den technologischen Reifegrad von Zielunternehmen und identifiziert Möglichkeiten zur Modernisierung von IT-Architekturen, zum Ausbau von Daten- und KI-Fähigkeiten sowie zur Steigerung des langfristigen Geschäftswerts. 🇬🇧About the author: Markus Begerow helps start-ups, enterprises and organisations to unlock the strategic potential of data, artificial intelligence and blockchain technologies. With over 15 years' experience in strategic consultancy, he regularly analyses the digital business models and technological maturity of target companies, identifying opportunities to modernise IT architectures, expand data and AI capabilities, and increase long-term business value.🔗 Connect via: LinkedIn (Follow) | Twitter | Instagram (Follow)

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