Pro-Rata (aus dem Lateinischen: nach dem Anteil) beschreibt das Recht oder die Verpflichtung, anteilig an einer zukünftigen Finanzierungsrunde teilzunehmen, um den bestehenden Eigentumsanteil am Unternehmen zu erhalten.
In der Startup- und VC-Finanzierung bedeutet das konkret: Bestehende Investor:innen dürfen in der nächsten Runde erneut investieren – in dem Maße, wie es ihrem bisherigen Anteil entspricht. Ziel ist es, eine Verwässerung der Anteile zu vermeiden.
Warum: Die Bedeutung von Pro-Rata-Rechten
Pro-Rata ist wichtig, weil:
- Investor:innen damit ihre prozentuale Beteiligung sichern können
- es ein zentraler Bestandteil des Investorenschutzes ist – insbesondere bei wachstumsstarken Startups
- es die Möglichkeit bietet, in erfolgreichen Folgefinanzierungen (Up Rounds) weiterhin zu profitieren
- es für Investoren ein Signal des Vertrauens und der Langfristigkeit darstellt
- es in vielen Term Sheets und Beteiligungsverträgen standardmäßig enthalten ist
Kurz: Pro-Rata-Rechte ermöglichen bestehenden Investor:innen, ihren „Seat am Tisch“ zu behalten, auch wenn neue Investoren dazukommen.
Wie: Funktionsweise und Beispiel von Pro-Rata
Einfach erklärt:
Ein Investor hält aktuell 10 % der Anteile an einem Startup. In der nächsten Finanzierungsrunde wird das Unternehmen erneut bewertet und es sollen neue Anteile ausgegeben werden. Das Pro-Rata-Recht erlaubt es dem Investor, wieder 10 % des neuen Kapitals zu investieren, um weiterhin 10 % der Firma zu halten.
Beispiel:
- Investor A besitzt aktuell 10 % der Firma
- Neue Finanzierungsrunde: 5 Mio. € sollen aufgenommen werden
- Investor A hat ein Pro-Rata-Recht → er darf 10 % von 5 Mio. € = 500.000 € investieren, um seine 10 % zu halten
Wichtig:
- Pro-Rata ist ein Recht, keine Pflicht – Investor:innen dürfen, müssen aber nicht mitziehen
- In späteren Runden kann auch ein sogenanntes Super Pro-Rata-Recht verhandelt werden → mehr als der Anteil
- Pro-Rata kann zeitlich oder mengenmäßig begrenzt sein (z. B. nur in Serie A und B)
Was: Varianten, Stolperfallen und Bedeutung in der Praxis
Typische Varianten:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Pro-Rata Right | Recht auf anteilige Beteiligung, um Status zu halten |
| Super Pro-Rata | Recht, mehr als den bisherigen Anteil zu investieren |
| Pro-Rata Pflicht | (seltener) vertragliche Pflicht zur Mitbeteiligung |
Herausforderungen und Stolperfallen:
- Verfügbarkeit: Es ist nicht garantiert, dass Platz für Pro-Rata-Investoren bleibt (z. B. bei stark überzeichneten Runden)
- Verwässerung trotz Pro-Rata: Wenn z. B. der Option Pool nachträglich vergrößert wird
- Cap Table-Management: Bei vielen kleinen Pro-Rata-Investoren kann die Verwaltung aufwendig werden
- Vertragsklarheit: Definitionen in Term Sheets sollten eindeutig und bindend sein
Best Practices:
- Frühzeitig klären, ob und wie Pro-Rata-Rechte eingeräumt werden
- Cap Table simulieren, um mögliche Verwässerungsszenarien zu verstehen
- Kommunikation offen halten: Gründer:innen und Investoren müssen früh über ihre Intention sprechen
- Investor Updates nutzen, um auf Folgefinanzierungen vorzubereiten
Fazit zu Pro-Rata
Pro-Rata ist mehr als ein juristischer Begriff – es ist ein strategisches Werkzeug. Es schützt Investoren vor unerwünschter Verwässerung und erlaubt ihnen, in vielversprechende Unternehmen weiter zu investieren. Für Gründer:innen ist es ein wichtiges Thema in der Verhandlungsführung und Cap-Table-Steuerung.
Wer Pro-Rata versteht und klug nutzt, schafft Vertrauen und langfristige Beteiligungskultur.



