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Diese Ausgabe umfasst ca. 2096 Wörter (~11 Minuten Lesezeit).
Heute ist Montag, der 17. August 2026 - willkommen in KW34. Viel Spaß beim Lesen!
🎯 Meta mit eigenem Webindex: Verschiebt sich jetzt der KI-Wettkampf?
Meta crawlt das Web derzeit in auffälligem Umfang. Dahinter könnte mehr stecken als die Verbesserung von Meta AI. Möglicherweise der Aufbau einer eigenen Suchinfrastruktur. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, wäre das ein weiterer Schritt in einem KI-Wettkampf, der längst nicht mehr nur um das beste Sprachmodell geführt wird.
Was passiert gerade bei Meta? Let's take a look!
Ausgangspunkt der aktuellen Diskussion ist eine Beobachtung des Entwicklers Pieter Levels. Letzte Woche berichtete er auf X von ungewöhnlich intensiven Crawling-Aktivitäten von Meta auf seinen Websites. Anschließend veröffentlichte er eine Nachricht, die ihm nach eigenen Angaben von einem Meta-Mitarbeiter geschickt wurde. Darin wird behauptet, dass Meta einen eigenen Webindex aufbaue, damit Meta AI bei Websuchen weniger auf Google angewiesen sei. Search Engine Roundtable griff die Meldung auf - allerdings ausdrücklich als nicht bestätigte Behauptung.

Für sich genommen wäre eine anonyme Nachricht noch keine besonders belastbare Grundlage. Interessant wird sie jedoch im Zusammenspiel mit einer schon länger sichtbaren Entwicklung. Bereits im Oktober 2024 berichtete Reuters unter Berufung auf The Information, dass Meta an einer KI-basierten Suchmaschine arbeite, um die Abhängigkeit von Google und Microsoft Bing zu reduzieren.
Tatsächlich existiert heute ein Meta-WebIndexer. Meta beschreibt dessen Aufgabe selbst damit, Inhalte aus dem Web zu indexieren, um die Qualität der Suchergebnisse von Meta AI zu verbessern.
Bemerkenswert ist vor allem das Volumen: DataDome registrierte allein im zweiten Quartal 2026 rund 3,75 Milliarden Requests des Meta-Web-Indexers - 163 Prozent mehr als im vorherigen Quartal. Zusammen mit den Requests des ebenfalls von Meta betriebenen Meta-ExternalAgent summierten sie sich auf rund 9,1 Milliarden.

Auch Promptwatch hat im Juli und Anfang August zwei deutliche Beschleunigungsphasen beobachtet. Innerhalb der erfassten AI-Crawler-Requests stieg der Anteil des Meta-WebIndexers zeitweise auf über 30 Prozent.

Das ist noch kein Beweis dafür, dass Meta eine Suchmaschine nach dem Vorbild von Google baut. Es deutet jedoch darauf hin, dass das Unternehmen den eigenständigen Zugriff von Meta AI auf das offene Web erheblich ausweitet.
Es geht vermutlich nicht um ein neues Google.com
Genau hier wird die Entwicklung strategisch interessant. Meta muss möglicherweise gar keine klassische Suchmaschine mit eigener Startseite und den bekannten „zehn blauen Links” entwickeln. Es wäre viel naheliegender, die Suche direkt in Meta AI und damit in WhatsApp, Instagram oder Facebook zu integrieren.
Ein Nutzer könnte beispielsweise nach einem Hotel, einem Produkt oder einem aktuellen Ereignis fragen. Im Hintergrund greift Meta AI auf einen eigenen Webindex zu, bewertet Informationen und formuliert unmittelbar eine Antwort. Die eigentliche Suchmaschine wird für den Nutzer somit nahezu unsichtbar.
Dadurch verändert sich die Logik des KI-Wettbewerbs. Ein leistungsfähiges Modell allein reicht bei aktuellen Informationen nicht aus. KI-Systeme benötigen Zugriff auf Websites, Nachrichten, Datenbanken und andere Echtzeitquellen. Wer diesen Zugang selbst kontrolliert, reduziert Abhängigkeiten und kontrolliert gleichzeitig einen wichtigen Teil der Informationskette.
Google besitzt mit seinem über Jahrzehnte aufgebauten Webindex einen enormen Vorteil. Meta wiederum hat mit Facebook, Instagram, WhatsApp und Messenger direkten Zugang zu Milliarden Nutzern. Sollte Meta einen eigenen Webindex hinzufügen, würde das Unternehmen einen weiteren zentralen Bestandteil seiner KI-Wertschöpfungskette selbst kontrollieren.
Das könnte für Google langfristig gefährlicher sein als eine neue Suchmaschine. Meta muss die Nutzer nicht davon überzeugen, statt google.com eine andere Suchseite aufzurufen. Es könnte genügen, wenn immer mehr Fragen direkt innerhalb bestehender Plattformen beantwortet werden und Google im Hintergrund schlicht nicht mehr benötigt wird.
Damit verändert sich zugleich die Rolle des offenen Webs. Auf diesen sogenannten „Bounce“ bin ich bereits in meinem Beitrag zur Zukunft des Webs, Cloudflare und KI-Browsern ausführlicher eingegangen. Inhalte werden von KI-Systemen verarbeitet und zur Beantwortung von Fragen genutzt, während der klassische Rückfluss der Nutzer zu den ursprünglichen Websites zunehmend ausbleibt.
Meine persönliche Sichtweise
Ob Meta irgendwann offiziell eine „Meta Search“ präsentiert, ist für mich deshalb weniger entscheidend. Spannender ist, was sich daraus entwickelt. Aus meiner Sicht verschiebt sich der KI-Wettbewerb zunehmend von der Frage nach dem besten Modell hin zu der Frage, wer die Infrastruktur rund um dieses Modell kontrolliert.
Meta verfügt bereits über Nutzer und Plattformen. Sollte nun tatsächlich ein umfassender eigener Webindex hinzukommen, entstünde eine weitgehend vertikal integrierte Struktur mit eigenen KI-Modellen, eigenen Plattformen, eigenen Nutzerbeziehungen und einem eigenen Zugang zu aktuellen Informationen aus dem Web.
Genau darin sehe ich die größere Herausforderung für Google. Meta muss Google womöglich gar nicht verdrängen. Es reicht, wenn Google bei immer mehr Informationsanfragen nicht mehr gebraucht wird.
Gleichzeitig verschärft sich die Frage nach der Zukunft des offenen Internets. Wenn KI-Systeme Inhalte in großem Umfang nutzen und Nutzer immer seltener zu den ursprünglichen Quellen zurückkehren, gerät das bisherige Modell der digitalen Wertschöpfung unter Druck.
Der Meta-WebIndexer mag deshalb zunächst nur wie ein weiterer Crawler aussehen. Für mich könnte er jedoch ein frühes Signal für eine größere Verschiebung sein. Der nächste KI-Wettkampf wird nicht nur darum geführt, wer die intelligenteste KI besitzt, sondern auch darum, wer kontrolliert, wie diese KI auf die Welt zugreift.
Als kleines Extra habe ich euch noch ein Musikvideo von Tom Waits angehängt, das damals in der Enron-Dokumentation „Enron: The Smartest Guys in the Room“ verwendet wurde. Meiner Meinung nach passt es inhaltlich erstaunlich gut zum aktuellen Zustand bei Meta.
🔗 Pieter Levels | Search Engine Roundtable | Reuters | Meta | DataDome | Promptwatch | Tom Waits | Markus Begerow
📰 Märkte & Nachrichten
FlightAware verklagt Kalshi, um Flugausfall-Wetten und operative Risiken zu begrenzen: FlightAware geht juristisch gegen Kalshi vor, um zu verhindern, dass der Prognosemarktbetreiber Verträge zu Flugstreichungen anbietet. Hintergrund ist die Sorge, dass handelbare Wetten auf operative Störungen zu Fehlanreizen führen könnten. Wenn Marktteilnehmer von Ausfällen profitieren, steigt aus Sicht des Klägers das Risiko gezielter Einflussnahme oder zusätzlicher Belastungen für den Luftverkehr. Konkret richtet sich die Klage gegen die Nutzung von Flugdaten sowie gegen ein Marktmodell, das reale Infrastrukturrisiken in spekulative Produkte überführt. Damit verschiebt sich der Konflikt von der Frage der Datenverwendung auf die grundsätzliche Regulierung ereignisbasierter Prognosemärkte. Für Kalshi ist der Fall relevant, da erneut juristisch getestet wird, wo die Abgrenzung zwischen zulässiger Finanzinnovation und potenziell systemrelevanter Wette verläuft. Gleichzeitig zeigt sich ein breiteres Muster: Je näher Prediction Markets an kritische Infrastrukturen rücken, desto stärker treten Zielkonflikte zwischen Marktöffnung, Datenzugang und Sicherheitsinteressen hervor.
🔗 WSJ
Lovable sichert 400 Millionen Dollar, um KI-Softwareentwicklung global zu skalieren: In einer neuen Finanzierungsrunde hat sich Lovable weitere 400 Millionen Dollar gesichert und erreicht damit eine Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar. Treiber ist das enorme Wachstum: Laut eigenen Angaben kam das Unternehmen im Juni bereits auf eine annualisierte Umsatzrate von 500 Millionen Dollar. Das frische Kapital dürfte daher weniger der klassischen Finanzierung dienen, sondern vielmehr dazu, die internationale Expansion, die Produktentwicklung und die Marktposition weiter zu beschleunigen. Gerade im Bereich der KI-gestützten Softwareentwicklung werden Skalierung, Nutzerbindung und die Integration leistungsfähiger KI-Modelle zunehmend zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen. Zugleich zeigt die Finanzierungsrunde, in welche Bereiche Investoren derzeit Kapital lenken: in Plattformen, die generative KI unmittelbar in produktive und monetarisierbare Anwendungen überführen. Für konkurrierende KI-Coding-Anbieter steigt damit der Druck, schnell Reichweite, Kapital und eigene Datenvorteile aufzubauen. Langfristig könnten sich wenige dominante Plattformen zwischen Foundation-Modellen und der eigentlichen Softwareentwicklung etablieren und dadurch erheblichen Einfluss auf Preise, Standards und technologische Abhängigkeiten gewinnen.
TSMC steigert Umsatz deutlich und festigt seine Schlüsselrolle im KI-Hardwaremarkt: TSMC hat für den jüngsten Berichtsmonat einen Umsatzanstieg von 45 Prozent gemeldet und damit die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Hardware bestätigt - trotz volatiler Kapitalmärkte. Grund dafür ist, dass der Ausbau generativer KI nach wie vor erhebliche Investitionen in Hochleistungsprozessoren, Beschleuniger und Rechenzentrumsinfrastruktur erfordert. Davon profitiert TSMC als zentraler Auftragsfertiger für führende Chipentwickler wie Nvidia und AMD unmittelbar. Dies zeigt sich in einer stabil hohen Auslastung bei fortschrittlichen Fertigungsknoten, die für KI-Chips entscheidend sind und technologisch nur von wenigen Anbietern beherrscht werden. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Wertschöpfung im KI-Sektor nach wie vor stark von Engpässen in der Halbleiterfertigung abhängig ist. Das unterstreicht für den Markt die Preissetzungsmacht und strategische Relevanz von Foundries, während regulatorisch Fragen zu Lieferkettenresilienz und geopolitischer Abhängigkeit an Gewicht gewinnen. Langfristig könnte sich somit der Trend verstärken, dass der Wettbewerb im Bereich der KI zunehmend über den Zugang zu Fertigungskapazitäten entschieden wird.
📊 Daten & Insights: Die Welt holt auf - Deutschland bleibt stark
In Deutschland wird derzeit viel über Rezession, hohe Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel und verlorene Wettbewerbsfähigkeit diskutiert. Viele dieser Probleme sind real. Ein Blick auf die globale Entwicklung der vergangenen 30 Jahre relativiert sie jedoch.
Die Grafik von Visual Capitalist zeigt die Einkommensklassifikation der Weltbank für die Jahre 1995 und 2025 und unterscheidet dabei zwischen den Kategorien Low Income, Lower-Middle Income, Upper-Middle Income und High Income.

Am auffälligsten ist, dass große Teile der Welt wirtschaftlich erheblich aufgeholt haben. Besonders deutlich wird das in Asien. Innerhalb von drei Jahrzehnten sind 30 asiatische Volkswirtschaften mindestens eine Einkommensklasse aufgestiegen. China gehörte 1995 noch zu den Low-Income-Ländern und zählt heute zu den Upper-Middle-Income-Economies. Auch in Südostasien haben zahlreiche Staaten deutlich aufgeholt.
Das ist zunächst eine Erfolgsgeschichte. Gleichzeitig zeigt die Karte aber auch, wie privilegiert Deutschland weiterhin ist.
Bereits 1995 gehörte Deutschland zur Gruppe der High-Income-Economies – und wird auch 2025 weiterhin dazugehören. Andere Staaten mussten über Jahrzehnte enorme Anstrengungen unternehmen, um überhaupt in die Nähe dieses Wohlstandsniveaus zu gelangen. Hierzulande diskutieren wir hingegen häufig darüber, ob unser Wohlstand noch schnell genug wächst.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Deutschlands wirtschaftliche Probleme ignoriert werden sollten. Investitionsstau, Digitalisierung, demografischer Wandel, Energiepreise und internationale Wettbewerbsfähigkeit sind ernsthafte Herausforderungen. Aber vielleicht hilft manchmal ein Blick auf die Weltkarte, siehe oben.
Deutschland verfügt nach wie vor über eine leistungsfähige Infrastruktur, soziale Sicherungssysteme, eine starke industrielle Basis, hervorragend ausgebildete Fachkräfte, politische Stabilität und Zugang zu einem der größten Binnenmärkte der Welt.
Es gibt also viel zu verbessern, aber wenig Anlass für pauschalen Niedergangspessimismus.
Die eigentliche Botschaft der Grafik ist für mich deshalb eine doppelte: Erstens ist die Welt in den vergangenen 30 Jahren deutlich wohlhabender geworden. Gleichzeitig sollten wir in Deutschland vielleicht gelegentlich daran denken, von welchem Ausgangsniveau aus wir eigentlich klagen. Denn global betrachtet geht es uns noch immer ziemlich gut...
🧑💻 In eigener Sache: KI ist längst Alltag, aber sind wir bereit dafür?
Beim Technikforum Backnang 2026 durfte ich erneut über Künstliche Intelligenz sprechen. Während im vergangenen Jahr noch die Frage nach der Zukunft von KI im Mittelpunkt stand, drehte sich diesmal alles um eine Technologie, die längst Teil unseres Alltags geworden ist.

KI wird immer leistungsfähiger. Entscheidend ist aber nicht nur, was sie kann, sondern wie wir mit ihr umgehen.
In meinem Vortrag „Künstliche Intelligenz im Alltag - Chancen, Risiken und Verantwortung“ habe ich deshalb vier zentrale Fragen behandelt:
Wie schnell entwickelt sich KI? Welche Infrastruktur und Ressourcen benötigt sie? Welche neuen Sicherheitsrisiken entstehen, etwa durch Prompt Injection und zunehmend autonome KI-Agenten? Und welche Verantwortung sollte weiterhin beim Menschen bleiben? Schaut gerne mal rein...
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