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Diese Ausgabe umfasst ca. 1696 Wörter (~9 Minuten Lesezeit).
Heute ist Montag, der 31. August 2026 - willkommen in KW36. Viel Spaß beim Lesen!
🎯 Nvidia greift nach Hugging Face - und damit nach mehr als nur eine KI-Plattform
Nvidia steht offenbar vor einer der größten Übernahmen seiner Unternehmensgeschichte. Laut einem Bericht von The Information soll der Chipkonzern einer Übernahme von Hugging Face für rund 12,9 Milliarden US-Dollar zugestimmt haben. Anschließend griff Reuters den Bericht auf. Nvidia und Hugging Face haben die Transaktion allerdings bislang nicht offiziell bestätigt.
Die Nachrichtenlage ist damit noch nicht eindeutig: TechCrunch verweist auf einen Bericht von Business Insider, demzufolge die Gespräche zuletzt noch nicht zu einer unterschriebenen Vereinbarung geführt hätten. Fest steht daher vor allem: Die Gespräche waren beziehungsweise sind sehr weit fortgeschritten – beim endgültigen Status des Deals sollte man derzeit noch etwas vorsichtig formulieren.
Warum ist Hugging Face so interessant?
Hugging Face hat sich inzwischen zu einer der wichtigsten Plattformen in der KI-Welt entwickelt. Entwickler können dort Modelle, Datensätze und Tools bereitstellen und herunterladen. Gerade für das Open-Source- bzw. Open-Weight-Ökosystem hat sich Hugging Face somit zu einer zentralen Infrastruktur entwickelt.
Genau das macht eine mögliche Übernahme strategisch so interessant: Bislang dominiert Nvidia vor allem die Recheninfrastruktur der KI-Welt. Seine GPUs bilden die Grundlage, auf der ein großer Teil der aktuellen KI-Systeme trainiert und betrieben wird. Gleichzeitig versuchen große KI-Anbieter wie OpenAI, Google, Amazon und Anthropic, ihre Abhängigkeit von Nvidia durch eigene Chips zu reduzieren.
Ein starkes und möglichst breit aufgestelltes Open-Source-KI-Ökosystem liegt deshalb durchaus im Interesse von Nvidia: Je mehr Unternehmen und Entwickler unabhängig von den großen, geschlossenen KI-Plattformen eigene Modelle betreiben, desto größer bleibt der Markt für universell einsetzbare Nvidia-Hardware. TechCrunch sieht darin einen wesentlichen strategischen Grund für das Interesse an Hugging Face.
Fast 13 Milliarden Dollar für rund 150 Millionen Dollar Umsatz
Besonders bemerkenswert ist hier die Bewertung: Demnach soll Hugging Face derzeit einen annualisierten Umsatz von rund 150 Millionen US-Dollar erzielen. Dem stünde ein Kaufpreis von etwa 12,9 Milliarden US-Dollar gegenüber. Das entspricht dem 86-Fachen des Jahresumsatzes.
Ein Quick Check als Vergleich: Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2023 wurde das Unternehmen noch mit rund 4,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Nvidia gehörte bereits damals zu den Investoren. Ende 2025 soll Hugging Face zudem ein Investment von Nvidia über 500 Millionen US-Dollar abgelehnt haben, das das Unternehmen mit rund sieben Milliarden US-Dollar bewertet hätte.
Der enorme Aufschlag zeigt deshalb ziemlich deutlich, dass Nvidia hier kaum den heutigen Umsatz kaufen würde. Nvidia würde eine strategische Position kaufen.

Nvidia baut sich immer weiter entlang der KI-Wertschöpfungskette aus
Bisher lässt sich Nvidia häufig noch als „Chipunternehmen“ beschreiben. Diese Beschreibung wird aber zunehmend zu eng: Das Unternehmen bewegt sich Schritt für Schritt über die reine Hardware hinaus. Ausgehend von GPUs und CUDA erweitert Nvidia sein Geschäft zunehmend um KI-Modelle, Cloud-Infrastruktur und Entwicklerplattformen.
Mit Hugging Face käme ein zentraler Zugangspunkt zur Entwickler- und Open-Source-Community hinzu. Hinzu kommt ein weiterer interessanter Aspekt: Hugging Face vermittelt Entwicklern bereits Rechenleistung zum Betrieb von Modellen. TechCrunch verweist darauf, dass Nvidia damit auch wieder stärker in das Cloudgeschäft hineinwachsen könnte.
Damit wäre Hugging Face für Nvidia gleichzeitig Entwicklerplattform, Modell-Marktplatz, Distributionskanal und potenzieller Zugang zum Cloudgeschäft.
Meine persönliche Sichtweise
Der Kaufpreis ist für mich nicht die wichtigste Nachricht. Im Vergleich zu anderen Deals sind das Peanuts. Entscheidend ist viel eher die Entwicklung, dass Nvidia offenbar versucht, seine dominante Position von der Hardwareebene auf immer größere Teile des gesamten KI-Ökosystems auszuweiten.
Bisher verdient Nvidia vor allem daran, dass nahezu jeder große KI-Anbieter enorme Mengen an Rechenleistung benötigt. Das Problem: Gerade die größten Kunden versuchen inzwischen, sich mit eigenen Chips unabhängiger zu machen.
Hugging Face könnte hier eine Art strategische Gegenbewegung sein. Anstatt ausschließlich davon abhängig zu sein, dass OpenAI, Anthropic oder Google weiterhin Nvidia-Chips kaufen, könnte Nvidia das dezentrale KI-Ökosystem aus Unternehmen, Start-ups, Forschern und Entwicklern stärker an sich binden.
Und genau darin liegt meines Erachtens die eigentliche Bedeutung dieses Deals: Nvidia möchte offenbar nicht mehr nur die Schaufeln im KI-Goldrausch verkaufen, sondern auch mitbestimmen, wo gegraben wird.
Das birgt allerdings auch Konfliktpotenzial. Hugging Face ist gerade deshalb so bedeutend geworden, weil die Plattform als vergleichsweise neutraler Treffpunkt unterschiedlicher Modelle, Anbieter und Entwickler wahrgenommen wird. Wenn diese Infrastruktur künftig einem der mächtigsten Unternehmen der KI-Industrie gehört, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie unabhängig dieses Ökosystem langfristig noch sein kann.
Ich gehe davon aus, dass die Open Source-Community bereits an einem „Hugging Face 2.0” bzw. „Open Hugging Face” arbeitet...
🔗 Reuters | The Information | CNBC | TechCrunch | Forbes | SEC | CNN
📰 Märkte & Nachrichten
Kreditausfallversicherungen sehen hinter dem KI-Investitionsboom der Tech-Konzerne steigende Risiken: Die Absicherungskosten großer Technologieunternehmen auf dem Markt für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) steigen, während die Branche ihre Ausgaben für Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur massiv ausweitet. Hintergrund ist, dass Big Tech trotz hoher Cashflows zunehmend Kapital für langfristige KI-Projekte bindet, deren Erträge zeitlich verzögert anfallen und deren Monetarisierung noch nicht vollständig gesichert ist. Dies wird über höhere CDS-Spreads sichtbar, mit denen Investoren Ausfallrisiken neu bewerten und die Kreditqualität selbst finanzstarker Emittenten differenzierter einpreisen. Gleichzeitig zeigt sich, dass der KI-Wettlauf nicht nur die Aktienbewertungen antreibt, sondern auch den Kreditmarkt belastet, da Investitionszyklen länger und kapitalintensiver werden. Das ist für den Markt relevant, weil sich Finanzierungskosten, Bilanzspielräume und Wettbewerbsdynamiken verschieben können. Langfristig könnte sich damit ein struktureller Zielkonflikt verschärfen: Technologische Skalierung erfordert immer mehr Kapital, während Kreditmärkte früher und sensibler auf Konzentrations- und Renditerisiken reagieren.
Chainalysis beziffert steuerpflichtige Kryptoaktivität und zeigt Lücken im OECD-Meldesystem: Laut Schätzungen von Chainalysis wird die potenziell steuerpflichtige Onchain-Kryptoaktivität weltweit bis 2025 auf mindestens 457 Milliarden US-Dollar ansteigen. Gleichzeitig kommt das Unternehmen zu dem Ergebnis, dass nur rund 14 Prozent davon vom OECD-Meldestandard CARF erfasst werden. Grund dafür ist, dass sich CARF vor allem auf Intermediäre und meldepflichtige Dienstleister konzentriert, während ein großer Teil der Blockchain-Ökonomie direkt onchain, grenzüberschreitend und ohne zentrale Gegenpartei stattfindet. In die Schätzung fließen realisierte Gewinne, Erträge aus Mining, Staking und Lending sowie kryptobasierte Zahlungen auf sechs großen Blockchains ein. Aktivitäten innerhalb zentralisierter Börsen sind jedoch ausgenommen. Regional entfallen 134,6 Milliarden US-Dollar auf Nordamerika und 125,1 Milliarden auf die EU. Dies unterstreicht die fiskalische Relevanz für europäische Aufsichts- und Steuerbehörden. Gleichzeitig zeigt sich ein strukturelles Problem internationaler Regulierung: Berichtspflichten greifen vor allem dort, wo Vermittler existieren, während dezentrale Marktsegmente regulatorisch und steuerlich schwerer adressierbar bleiben.
US-Justiz legt chinesisches Botnetz lahm, um Angriffe auf Behörden zu stoppen: Das US-Justizministerium hat mehrere Domains beschlagnahmt, die fest in den Code eines chinesischen Botnetzes eingebettet waren und dessen Kommando- und Kontrollinfrastruktur bildeten. Hintergrund ist eine Serie von Angriffen auf sensible Einrichtungen in den USA, darunter die NASA, das Justizministerium und der Senat. Mit dieser Maßnahme soll nicht primär die Festsetzung einzelner Täter erreicht werden, sondern die operative Steuerung des Netzwerks technisch unterbrochen werden. Dabei ist entscheidend, dass die Domains hardcodiert waren und somit für die Kommunikation, die Befehlsübermittlung und den laufenden Betrieb unverzichtbar waren. Laut Behörden wurde das Botnetz dadurch faktisch funktionsunfähig. Gleichzeitig zeigt sich ein Muster moderner Cyberabwehr: Wenn klassische Strafverfolgung grenzüberschreitend an Grenzen stößt, greifen Staaten zunehmend direkt in die digitale Infrastruktur ein. Für den Markt und die Regulierung unterstreicht der Fall die wachsende Bedeutung der Kontrolle der Infrastruktur, der Domain-Governance und der internationalen Zuständigkeit. Langfristig könnte sich damit ein Trend verfestigen, bei dem Cybersicherheit eher über technische Eingriffe als über juristische Durchsetzung organisiert wird.
📊 Daten & Insights: Wird der KI-Boom zum Konjunkturrisiko?
59 % der befragten US-Chefökonomen sehen eine Korrektur der KI-Investitionen als das größte Abwärtsrisiko für die amerikanische Wirtschaft im Jahr 2026, dahinter folgen eine Eskalation geopolitischer Konflikte mit 47 %, weiter steigende Energiepreise mit 35 % sowie Zinserhöhungen mit 29 %. Jeweils 24 % nennen einen stärkeren Rückgang des Aktienmarkts beziehungsweise eine höhere Inflation als relevantes Risiko.
Bemerkenswert ist, dass KI gleichzeitig auf der anderen Seite der Rechnung steht. Weitere Investitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur werden von 29 % der Befragten als größtes positives Wachstumsszenario genannt. Trotz der Risiken erwartet das SIFMA Economist Council für die US-Wirtschaft im Jahr 2026 weiterhin ein reales Wachstum von 2,2 %.

Der Investitionsboom ist inzwischen groß genug, um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der USA spürbar zu beeinflussen. Damit entsteht allerdings eine ungewöhnliche Abhängigkeit: Steigen die Produktivität und der wirtschaftliche Nutzen der Technologie entsprechend mit, könnte der KI-Boom noch lange anhalten. Brechen die Investitionen hingegen ein, bevor sich diese Produktivitätsgewinne materialisieren, könnte aus dem heutigen Wachstumsmotor relativ schnell ein konjunktureller Gegenwind entstehen.
Die vielleicht wichtigste Zahl ist deshalb nicht 59 %, sondern die Tatsache, dass KI gleichzeitig ganz oben auf der Chancen- und Risikoseite steht.
🎬 Sehenswert: Quantenmechanik - Die Entschlüsselung der Welt | ARTE (ca. 54 Min.)
Der Begriff „Quantenmechanik” mag nach Grundlagenforschung klingen, er könnte jedoch der Schlüssel für die Technologien von morgen sein.

Die ARTE-Doku „Quantenmechanik - Die Entschlüsselung der Welt“ zeigt, wie ein besseres Verständnis der kleinsten Teilchen unsere Sicht auf Computing, Forschung und Innovation verändern könnte.
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