Markus Begerow 🇩🇪Markus Begerow unterstützt Start-ups, Unternehmen und Organisationen dabei, das strategische Potenzial von Daten, künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien zu erschließen. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung analysiert er regelmäßig die digitalen Geschäftsmodelle und den technologischen Reifegrad von Zielunternehmen und identifiziert Möglichkeiten zur Modernisierung von IT-Architekturen, zum Ausbau von Daten- und KI-Fähigkeiten sowie zur Steigerung des langfristigen Geschäftswerts. 🇬🇧About the author: Markus Begerow helps start-ups, enterprises and organisations to unlock the strategic potential of data, artificial intelligence and blockchain technologies. With over 15 years' experience in strategic consultancy, he regularly analyses the digital business models and technological maturity of target companies, identifying opportunities to modernise IT architectures, expand data and AI capabilities, and increase long-term business value.🔗 Connect via: LinkedIn (Follow) | Twitter | Instagram (Follow)

AI4GOV München - Die KI-Illusion: Warum ChatGPT Verwaltungsprobleme nicht löst

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Am 30. Juni 2026 hatte ich bei AI4GOV München die Gelegenheit, einen Vortrag zu halten, der bewusst eine unbequeme Frage in den Mittelpunkt stellte:

Lösen wir mit künstlicher Intelligenz tatsächlich die Probleme der Verwaltung oder versehen wir bestehende Probleme lediglich mit einer modernen Benutzeroberfläche?

Unter dem Titel „Die KI-Illusion: Warum ChatGPT Verwaltungsprobleme nicht löst“ ging es mir nicht darum, die Möglichkeiten generativer KI kleinzureden. Sprachmodelle sind leistungsfähig, entwickeln sich rasant weiter und werden die Arbeitsweise vieler Behörden grundlegend verändern.

Doch genau deshalb müssen wir genauer hinschauen: Denn ein Chatfenster kann Texte formulieren, Akten zusammenfassen und Entscheidungen vorbereiten. Es kann aber keine unklaren Zuständigkeiten beseitigen, keine veralteten Prozesse modernisieren und keine organisatorische Verantwortung übernehmen.

AI4GOV München als Plattform für die Verwaltung von morgen

AI4GOV versteht sich als zentrale Austauschplattform zur Anwendung von künstlicher Intelligenz und Daten in der Verwaltung. Die Veranstaltungsreihe findet 2026 in Erfurt, München, Köln, Hamburg und Berlin statt und soll Behörden dabei unterstützen, über erste KI-Pilotprojekte hinauszukommen.

Die Münchner Veranstaltung fand in der Alten Rotation statt. Das Programm reichte von agentischer KI über gesellschaftlichen Nutzen, Ethik und Governance bis zu Cybersicherheit, Prozessmanagement und konkreten Anwendungsfällen aus Staat und Kommunen. Mein Vortrag war für 15:10 Uhr eingeplant.

Gerade diese Mischung machte die Veranstaltung besonders interessant. Es ging nicht nur um neue Modelle oder einzelne Tools, sondern um die entscheidende Frage, wie KI tatsächlich in Verwaltungsstrukturen integriert werden kann.

Die KI-Nachrichten überschlagen sich

Wie schnell sich die Entwicklung beschleunigt hat, zeigt ein Blick auf die Veröffentlichungen der großen Modellanbieter. Zwischen einzelnen Modellgenerationen liegen teilweise nur noch wenige Wochen. Neue Versionen werden angekündigt, veröffentlicht und bereits kurz darauf durch leistungsfähigere Varianten ergänzt.

Zeitachse der KI-Modellveröffentlichungen von OpenAI, Anthropic und Google zwischen Januar 2025 und Mai 2026.
Die Veröffentlichungszyklen führender KI-Modelle werden immer kürzer. Die Grafik zeigt die Entwicklung bei OpenAI, Anthropic und Google mit Stand vom 30. Mai 2026.

Für Behörden und Unternehmen entsteht daraus ein grundsätzliches Problem: Während Strategien, Beschaffungsverfahren und Governance-Strukturen noch entwickelt werden, hat sich die technische Grundlage häufig bereits wieder verändert.

KI-Agenten kommunizieren miteinander, schreiben Software, suchen Sicherheitslücken und führen mehrstufige Aufgaben aus. Gleichzeitig entstehen soziale Netzwerke für Bots und Plattformen, auf denen KI-Systeme sogar Menschen mit realen Aufgaben beauftragen sollen.

Vortrag auf der AI4GOV München über das weltweite Wachstum der KI-Rechenleistung und den Absatz von KI-Chips.
Die verfügbare KI-Rechenleistung wächst exponentiell. Doch mehr Rechenleistung führt nicht automatisch zu besseren Verwaltungsprozessen.

Doch neben den Erfolgsmeldungen gibt es auch erste Warnzeichen: Gartner prognostiziert, dass mehr als 40 Prozent der Projekte mit agentischer KI bis Ende 2027 eingestellt werden könnten. Als Gründe nennt das Unternehmen steigende Kosten, unklare wirtschaftliche Vorteile und unzureichende Risikokontrollen. Viele vermeintliche Agenten seien zudem lediglich bestehende Chatbots oder Automatisierungslösungen mit einem neuen Etikett.

Zwischen einer beeindruckenden Demonstration und einem produktionsreifen System liegt weiterhin ein erheblicher Abstand. Genau diese widersprüchliche Nachrichtenlage bildete den Ausgangspunkt meines Vortrags. Die Präsentation zeigt bewusst sowohl die rasanten Fortschritte als auch Fehlentwicklungen, Sicherheitsprobleme und überzogene Erwartungen.

Mythos 5, Cybersicherheit und Chinas Aufholjagd

Ausgerechnet ein Modell namens Mythos steht exemplarisch für die widersprüchliche Lage im internationalen KI-Wettlauf.

Claude Mythos 5 ist eine besonders leistungsfähige Variante von Anthropics Fable 5, die zunächst nur einem begrenzten Kreis von Cyberverteidigern und Infrastrukturpartnern zugänglich war. Am 12. Juni 2026 ordnete das US-Handelsministerium an, den Zugriff ausländischer Staatsangehöriger auf Fable 5 und Mythos 5 auszusetzen. Anthropic deaktivierte daraufhin beide Modelle weltweit.

Gerade dieser Vorgang zeigt, wie schnell sich die Lage verändert: Während die USA den Zugang zu besonders leistungsfähigen Modellen zeitweise einschränkten, holten chinesische Anbieter technologisch weiter auf.

Markus Begerow spricht auf der AI4GOV München 2026 über chinesische KI-Modelle, Mythos und Cybersicherheit.
Bei meinem Vortrag auf der AI4GOV München 2026: Chinesische KI-Modelle holen auch bei Cybersicherheit und spezialisierten Anwendungen auf.

Der Stanford AI Index kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Leistungsabstand zwischen den führenden amerikanischen und chinesischen Modellen weitgehend geschlossen hat. Im März 2026 lag das beste US-Modell auf der Arena-Bestenliste nur noch rund 2,7 Prozent vor dem stärksten chinesischen Modell. Dieses stammte von ByteDance; auch Alibaba und DeepSeek gehörten inzwischen zur internationalen Spitzengruppe.

Bereits DeepSeek hatte Anfang 2025 gezeigt, wie schnell ein vermeintlich gesichertes Narrativ zusammenbrechen kann. Die Veröffentlichung eines kostengünstigen chinesischen Modells löste einen weltweiten Ausverkauf von Technologieaktien aus. Nvidia verlor an einem einzigen Handelstag rund 593 Milliarden US-Dollar an Börsenwert.

Vergleich der Leistungsfähigkeit amerikanischer und chinesischer KI-Modelle sowie die Auswirkungen von DeepSeek auf Nvidia und die US-Technologiemärkte.
DeepSeek als Wendepunkt im globalen KI-Wettlauf: Chinesische Modelle holen gegenüber führenden US-Systemen deutlich auf.

China verfügt nicht nur über einzelne erfolgreiche Modelle. Chinesische Unternehmen kombinieren offene Modelle, kostengünstige Entwicklung, eigene Hardware und eine schnelle praktische Umsetzung. Gerade für Europa sollte das ein Weckruf sein.

Mein persönliches Fazit zum AI4GOV München 2026

Die aktuellen Nachrichten zeigen zwei Entwicklungen gleichzeitig: KI wird objektiv leistungsfähiger. Die Abstände zwischen den führenden Modellen werden kleiner, und chinesische Anbieter stellen bisherige Gewissheiten infrage.

Gleichzeitig bleiben KI-Projekte teuer, fehleranfällig und organisatorisch anspruchsvoll. Ein neues Modell ersetzt weder funktionierende Prozesse noch klare Verantwortlichkeiten. Für die Verwaltung ergeben sich daraus drei einfache Grundsätze:

  1. Was nicht prüfbar ist, ist nicht verwaltungsfähig.
  2. Was nicht kontrollierbar ist, ist nicht souverän.
  3. Was keinen konkreten Prozess verbessert, bleibt häufig nur KI-Theater.

Die KI-Illusion besteht nicht darin, an das Potenzial der Technologie zu glauben. Sie beginnt dort, wo wir glauben, Technologie könne uns die organisatorische Arbeit abnehmen.

Slides

Markus Begerow 🇩🇪Markus Begerow unterstützt Start-ups, Unternehmen und Organisationen dabei, das strategische Potenzial von Daten, künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien zu erschließen. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung analysiert er regelmäßig die digitalen Geschäftsmodelle und den technologischen Reifegrad von Zielunternehmen und identifiziert Möglichkeiten zur Modernisierung von IT-Architekturen, zum Ausbau von Daten- und KI-Fähigkeiten sowie zur Steigerung des langfristigen Geschäftswerts. 🇬🇧About the author: Markus Begerow helps start-ups, enterprises and organisations to unlock the strategic potential of data, artificial intelligence and blockchain technologies. With over 15 years' experience in strategic consultancy, he regularly analyses the digital business models and technological maturity of target companies, identifying opportunities to modernise IT architectures, expand data and AI capabilities, and increase long-term business value.🔗 Connect via: LinkedIn (Follow) | Twitter | Instagram (Follow)

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