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Diese Ausgabe umfasst ca. 1723 Wörter (~9 Minuten Lesezeit).
Heute ist Montag, der 19. Oktober 2026 - willkommen in KW43. Viel Spaß beim Lesen!
🎯 Elon Musk verkauft das Morgen - doch wer bezahlt die Rechnung?
Ein Tesla, der kopfüber fährt, abhebt und sich in der Luft dreht: Was Elon Musk am 15. Oktober auf einem Testgelände von SpaceX in Texas präsentierte, sieht aus wie Science-Fiction. Möglich wird dies unter anderem durch Druckgasdüsen, die in Zusammenarbeit mit SpaceX entwickelt wurden. Für mich ist jedoch nicht die Technik das Interessanteste an dieser Vorführung. Es ist die Art und Weise, wie Musk daraus eine Zukunftserzählung macht.
Der Roadster soll erst 2028 in Produktion gehen. Ursprünglich wurde seine zweite Generation bereits 2017 vorgestellt, mit einer geplanten Markteinführung für das Jahr 2020. Neun Jahre später erleben wir erneut eine spektakuläre Präsentation und wieder liegt das eigentliche Produkt in der Zukunft. Musk verkauft nicht nur ein Auto. Er verkauft die Vorstellung davon, was eines Tages möglich sein könnte.
Die Börse bewertet eine Zukunft, die noch nicht existiert
Diese Fähigkeit ist für Tesla wirtschaftlich alles andere als nebensächlich. Das Unternehmen erreichte am 16. Oktober einen Börsenwert von rund 1,4 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig stammten 2025 noch gut 73 Prozent des Umsatzes aus dem Automobilgeschäft.
Ein Blick auf die langfristige Börsenbewertung zeigt, welche Dimension die Erwartungen an Tesla inzwischen erreicht haben.

Die hohe Bewertung lässt sich nicht allein mit dem aktuellen Automobilgeschäft erklären. Anleger setzen auch darauf, dass Tesla mit autonomem Fahren, Robotaxis, humanoiden Robotern und künstlicher Intelligenz künftig wesentlich größere Märkte erschließen wird.
Genau hier liegt Musks besondere Stärke: Er macht aus technologischen Möglichkeiten investierbare Erwartungen. Denn an der Börse werden nicht nur gegenwärtige Gewinne, sondern vor allem Erwartungen an zukünftige Erträge gehandelt.
Das Problem ist jedoch, dass zwischen einer überzeugenden Vision und einem wirtschaftlich erfolgreichen Produkt oft Jahre liegen können. Manchmal wird das versprochene Produkt auch überhaupt nicht entwickelt.
Warum gerade jetzt?
Tesla braucht neue Wachstumsgeschichten. Chinesische Hersteller haben technologisch aufgeholt, der Preisdruck nimmt zu und der Wettbewerb im Markt für Elektroautos ist längst kein Selbstläufer mehr.
Der fliegende Roadster verändert die öffentliche Wahrnehmung. Plötzlich sprechen wir nicht mehr über Absatzzahlen, Margen oder günstigere chinesische Elektroautos, sondern über eine technische Leistung, die bisher nur wenige Automobilhersteller demonstriert haben.
Die Zusammenarbeit mit SpaceX verstärkt diesen Effekt noch. Beide Unternehmen erscheinen zunehmend als Teile eines größeren technologischen Ökosystems. An der Wall Street wird sogar über eine mögliche Fusion spekuliert, obwohl eine solche Transaktion nicht bestätigt ist.
Dennoch gibt es Grenzen für diese Strategie. So verlor die Tesla-Aktie nach der Roadster-Präsentation rund 2,1 Prozent. Ein spektakulärer Auftritt erzeugt also nicht automatisch steigende Aktienkurse.
Meine persönliche Sichtweise
Ich bewundere Musks Fähigkeit, Menschen für Technologien zu begeistern, die andere für unmöglich halten. Ohne solche Visionen wäre vieles vermutlich gar nicht oder erst deutlich später entstanden.
Gleichzeitig sehe ich jedoch eine zunehmende Diskrepanz zwischen technologischen Versprechen und deren wirtschaftlicher Umsetzung. Musk versteht es wie kein anderer Unternehmer, Wünsche und Träume in Zukunftserwartungen zu übersetzen. Diese Erwartungen können den Börsenwert um Milliarden bewegen, lange bevor ein Produkt tatsächlich Geld verdient.
Für mich ist der fliegende Roadster deshalb vor allem ein Symbol für Musks Geschäftsmodell der Zukunftserwartungen. Er zeigt eindrucksvoll, was technisch möglich sein könnte. Aber er beantwortet nicht die Frage, wann daraus ein profitables Geschäft wird.
🔗 Reuters | Financial Times | WSJ | YCharts
📰 Märkte & Nachrichten
Vercel skaliert Jev, um KI-Zugänge über eine einheitliche API zu bündeln: Vercel hat bekannt gegeben, dass Jev das am schnellsten eingeführte KI-Modell in der Unternehmensgeschichte ist. Grund dafür ist die wachsende Nachfrage nach Modellen, die sich ohne großen Integrationsaufwand direkt in die Arbeitsabläufe von Entwicklern integrieren lassen. Die Daten stammen aus dem AI Gateway von Vercel, einem zentralen API-Dienst ähnlich wie OpenRouter, über den Unternehmen verschiedene Modelle über eine einheitliche Schnittstelle verwalten können. Infolgedessen verlagert sich der Wettbewerb zunehmend von einzelnen Modellanbietern hin zu Plattformen, die Routing, Abrechnung und Zuverlässigkeit bündeln. Gleichzeitig gewinnen Vertriebskanäle für KI-Modelle an strategischer Bedeutung: Wer den Zugang zum Entwickler-Ökosystem kontrolliert, beeinflusst auch die Sichtbarkeit und Nutzung einzelner Modelle. Aus regulatorischer Sicht bleibt es wichtig, dass diese Gateways Transparenz hinsichtlich der Herkunft der Modelle, der Datenflüsse und der Haftungsfragen gewährleisten. Langfristig könnte sich der KI-Markt zunehmend um Vermittler herum strukturieren, die Standardisierung mit der Leistungsfähigkeit von Plattformen verbinden.
Meta und Apple öffnen gemeinsames KI-Modell für breitere Entwicklernutzung: Es scheint, als hätten Meta und Apple mit „Muse Spark Open“ ein gemeinsames Open-Source-KI-Modell vorgestellt und damit eine ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen zwei Plattformstrategien eingeleitet, die bislang weitgehend im Wettbewerb standen. Hintergrund ist der wachsende Druck, sich auf dem KI-Markt nicht nur durch geschlossene Ökosysteme, sondern auch durch die Akzeptanz bei Entwicklern, die Verfügbarkeit von Modellen und die Etablierung von Standards zu etablieren. Die Umsetzung über ein Open-Access-Modell deutet darauf hin, dass beide Unternehmen gezielt externe Entwickler, Forschungsteams und potenzielle Industriepartner für ihre jeweiligen Infrastrukturen gewinnen wollen, ohne eine exklusive, proprietäre Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette auszuüben. Gleichzeitig wird deutlich, dass Open Source im KI-Sektor zunehmend als strategisches Instrument eingesetzt wird, um Reichweite, Trainingsökosysteme und Interoperabilität gegenüber Wettbewerbern wie OpenAI oder Google auszubauen. Für den Markt bedeutet dies, dass sich der Wettbewerb von der reinen Modellleistung hin zu Vertrieb, Integration und Governance verlagert. Langfristig könnte gerade dieser Zielkonflikt zwischen Offenheit, Kontrolle und Monetarisierung die nächste Phase der KI-Plattformwirtschaft prägen.
🔗 CNET
Ölpreisschub und Zinssorgen drücken Tech-Aktien, während Märkte Risiko neu bewerten: In den letzten Wochen verzeichneten Technologieaktien starke Kursverluste, während die Ölpreise stiegen, was die Sektorrotation an den US-Märkten weiter verstärkte. Dies ist auf eine Kombination aus geopolitisch bedingten Energiepreisen, anhaltender Unsicherheit hinsichtlich der Zinspolitik der Zentralbanken und einem allgemeinen Rückgang der Risikobereitschaft zurückzuführen. Höhere Ölpreise schüren Inflationssorgen, was Wachstumsaktien, die besonders zinssensitiv sind, unter Druck setzt. Gleichzeitig zeigte die verhaltene Reaktion auf Teslas Roadster-Pläne, dass selbst namhafte Marken bei ambitionierten Zukunftsprojekten auf eine skeptischere Reaktion des Kapitalmarkts stoßen. Die ablehnende Haltung vieler Unternehmen gegenüber der Tokenisierung von Aktien deutet zudem auf operative, regulatorische und Compliance-bezogene Hürden bei der Digitalisierung traditioneller Kapitalmarktinstrumente hin. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Anleger derzeit klarer zwischen narrativ getriebenem Wachstum und soliden Cashflow-Profilen unterscheiden. Langfristig könnte sich dadurch ein struktureller Trend verfestigen: Innovation bleibt für die Kapitalmärkte relevant, wird jedoch angesichts höherer Zinsen und strengerer Regulierung selektiver bewertet.
🔗 WSJ
Steigende Finanzierungskosten setzen CoreWeave unter Druck und testen die Tragfähigkeit des KI-Booms: CoreWeave gerät angesichts steigender Kosten und höherer Bond-Renditen zunehmend unter Finanzierungsdruck, obwohl die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter wächst. Hintergrund ist der Zielkonflikt zwischen kapitalintensivem Infrastrukturausbau und einem Zinsumfeld, das hoch bewertete KI-Geschäftsmodelle empfindlicher für Refinanzierungsrisiken macht. Konkret trifft dies CoreWeave als Anbieter von GPU-Kapazitäten besonders stark, weil das Unternehmen sein Wachstum über teure Hardware, Rechenzentren und externe Finanzierung absichern muss. Gleichzeitig zeigt sich, dass Investoren den KI-Sektor nicht mehr nur über Nachfragefantasie, sondern stärker über Kapitalkosten, Bilanzqualität und Cashflow-Profil bewerten. Für den Markt ist das relevant, weil sich damit die Spreizung zwischen profitablen Plattformanbietern und fremdfinanzierten Infrastrukturspielern vergrößern könnte. Langfristig könnte dies den KI-Wettbewerb zugunsten kapitalstarker Akteure verschieben und verdeutlicht, dass der Ausbau von KI-Infrastruktur zunehmend von Makrofinanzierung statt nur von Technologiedynamik bestimmt wird.
📊 Daten & Insights: ChatGPT dominiert weiterhin - doch Gemini und Claude holen auf
ChatGPT bleibt der meistbesuchte KI-Chatbot im Web. Im September 2026 entfielen laut Similarweb 56,4 % des weltweiten KI-Chatbot-Webtraffics auf OpenAI. Dahinter folgen Googles Gemini mit 25,0 % und Anthropics Claude mit 9,6 %. Zusammen vereinen die drei Anbieter damit mehr als 90 % aller Website-Besuche auf sich.

Spannender als das aktuelle Ranking ist die Entwicklung: Im Oktober 2025 lag ChatGPT noch bei 71,8 %. Während Gemini seinen Marktanteil seitdem nahezu verdoppelt hat, konnte Claude ihn sogar mehr als vervierfachen. Besonders bemerkenswert: Claude verzeichnet inzwischen mehr Website-Besuche als DeepSeek, Grok, Copilot und Perplexity zusammen.
Der Wettbewerb verschärft sich, doch ChatGPT verliert nicht zwangsläufig Nutzer. Trotz sinkender Marktanteile erreichte die Plattform im September weiterhin rund 5,9 Milliarden Website-Besuche. Die Konkurrenz wächst schlicht schneller.
Die Zahlen zeigen damit eine Verschiebung im KI-Markt: OpenAI bleibt führend, während Google und Anthropic zunehmend Marktanteile gewinnen. Allerdings bildet die Statistik ausschließlich Website-Besuche ab. Die Nutzung über Apps, APIs oder in andere Produkte integrierte KI-Funktionen bleibt unberücksichtigt.
🔗 Similarweb | X.com
🎬 Sehenswert: Versprechen Kernfusion? Der Wettlauf um die Energie der Zukunft - ARTE (ca. 52 Min.)
Saubere, nahezu unerschöpfliche Energie: Kernfusion könnte unsere Energieversorgung revolutionieren. Doch zwischen wissenschaftlichen Durchbrüchen, milliardenschweren Investitionen und technologischen Herausforderungen liegt noch ein weiter Weg.

Die 52-minütige ARTE-Dokumentation „Versprechen Kernfusion? - Der Wettlauf um die Energie der Zukunft“ zeigt, wie Forscher und Unternehmen daran arbeiten, die Energie der Sonne auf die Erde zu holen und warum der Wettlauf längst auch eine wirtschaftliche und geopolitische Dimension hat. Meine Empfehlung für ein regnerisches Wochenende.
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