Markus Begerow 🇩🇪Markus Begerow unterstützt Start-ups, Unternehmen und Organisationen dabei, das strategische Potenzial von Daten, künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien zu erschließen. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung analysiert er regelmäßig die digitalen Geschäftsmodelle und den technologischen Reifegrad von Zielunternehmen und identifiziert Möglichkeiten zur Modernisierung von IT-Architekturen, zum Ausbau von Daten- und KI-Fähigkeiten sowie zur Steigerung des langfristigen Geschäftswerts. 🇬🇧About the author: Markus Begerow helps start-ups, enterprises and organisations to unlock the strategic potential of data, artificial intelligence and blockchain technologies. With over 15 years' experience in strategic consultancy, he regularly analyses the digital business models and technological maturity of target companies, identifying opportunities to modernise IT architectures, expand data and AI capabilities, and increase long-term business value.🔗 Connect via: LinkedIn (Follow) | Twitter | Instagram (Follow)

AI4GOV Berlin - „ChatGPT löst kein Verwaltungsproblem“

3 min read

Im Februar durfte ich auf der AI4GOV in Berlin sprechen, einer Veranstaltungsreihe vom Behörden Spiegel, die sich ganz dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der öffentlichen Verwaltung widmet. Unter dem Titel „ChatGPT löst kein Verwaltungsproblem - zwischen Wunschbrunnen und Wirklichkeit“ habe ich darüber gesprochen, warum KI derzeit enorme Erwartungen weckt und warum genau hier strategische Klarheit gefragt ist.

AI4GOV - KI in der Verwaltung im Realitätscheck

Die AI4GOV bringt Fachleute aus Verwaltung, IT und Politik zusammen, um konkrete Anwendungsfälle, Herausforderungen und regulatorische Fragen rund um KI zu diskutieren. Es geht nicht um Visionen aus dem Silicon Valley, sondern um die Frage: Was bedeutet KI ganz konkret für Behörden, Kommunen und öffentliche Organisationen?

Umso wichtiger war mir eine nüchterne Perspektive: KI ist kein magischer Problemlöser. Sie kann viel, aber sie ersetzt keine Struktur.

Wo stehen wir eigentlich mit KI? - Zwischen Hype und „Agentic AI“

Zu Beginn meines Vortrags habe ich die aktuelle KI-Entwicklung eingeordnet, denn wer über Verwaltung spricht, muss zuerst verstehen, wo wir technologisch stehen. Nach generativer KI und ChatGPT lautet das neue Schlagwort: Agentic AI.

Zwischen Hype und „Agentic AI“

Gemeint sind KI-Systeme, die nicht nur Texte erzeugen oder Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben planen, Entscheidungen vorbereiten und mehrstufige Prozesse ausführen können. Also Systeme, die nicht mehr nur reagieren, sondern handeln.

Das klingt nach einem Quantensprung. Und technologisch ist es das auch. Doch genau hier entsteht ein gefährlicher Kurzschluss:

Technologische Fähigkeit ist nicht gleich organisatorische Einsatzreife.

Ein KI-Agent kann Aufgaben koordinieren, Dokumente prüfen oder Abläufe anstoßen. Aber er versteht keine Verwaltungsrealität, keine politischen Abwägungen, keine rechtlichen Grauzonen. Ein Verwaltungsproblem ist selten ein Wissensproblem. Es ist meist ein Struktur-, Prozess- oder Verantwortungsproblem. Und genau deshalb reicht es nicht, über „Agenten“ zu sprechen. Wir müssen über Steuerung, Haftung und Architektur sprechen.

Die eigentliche Herausforderung: Fachkräftemangel und Demografie

Die öffentliche Verwaltung steht vor massiven strukturellen Herausforderungen:

  • Bis 2030 fehlen über eine Million Beschäftigte im öffentlichen Dienst.
  • Die demografische Entwicklung verschärft diese Situation zusätzlich.
  • Gleichzeitig erwarten Bürger schnelle, digitale Services.

KI wird daher häufig als Antwort auf den Fachkräftemangel gesehen. Und ja: Sie kann Abläufe automatisieren, Daten analysieren und Mitarbeitende entlasten.

Herausforderungen in der Verwaltung: Fachkräftemangel, Demografischer Wandel, Nachwuchsprobleme, Digitalisierung & KI

Aber: KI ersetzt keine fehlende Organisation. Sie verstärkt das, was strukturell vorhanden ist - im Guten wie im Schlechten.

Schatten-KI - wenn Realität schneller ist als Strategie

Ein Punkt, der in vielen Organisationen unterschätzt wird: Während Strategiepapiere diskutiert werden, nutzen Fachbereiche längst KI-Tools produktiv.

ChatGPT, DeepL und andere Dienste sind im Alltag angekommen, häufig ohne klare Governance. Das ist verständlich. Menschen wollen effizient arbeiten, Texte schneller formulieren, Informationen strukturieren oder Prozesse vereinfachen. Doch genau hier entsteht eine neue Dimension des Risikos:

  • Sensible Informationen verlassen kontrollierte Umgebungen.
  • Datenflüsse sind nicht transparent nachvollziehbar.
  • Verantwortlichkeiten bleiben unklar.

Und es geht noch weiter. Sicherheitsvorfälle der vergangenen Monate zeigen, dass selbst große KI-Anbieter nicht frei von Schwachstellen sind. Themen wie Prompt Injection, unkontrollierte Agentenlogik oder Plattform-Leaks sind keine theoretischen Szenarien mehr. Auch Entwicklungen rund um Open-Source-Initiativen wie „OpenClaw“ verdeutlichen, wie dynamisch und teilweise unreguliert sich dieses Ökosystem entwickelt.

Alptraum für jedermann: OpenClaw in Action

Das bedeutet nicht, dass KI unsicher ist. Aber es bedeutet, dass sie steuerungsbedürftig ist. KI ist damit keine reine Technologiefrage mehr. Sie wird zu einer Führungs-, Sicherheits- und letztlich auch Haftungsfrage.

Wer Verantwortung trägt, muss wissen:

  • Welche Systeme werden genutzt?
  • Welche Daten verlassen die Organisation?
  • Wer kontrolliert Modelle, Updates und Schnittstellen?
  • Wie werden Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert?

Ohne diese Transparenz entsteht eine unsichtbare Parallelstruktur, eine Schatten-KI, die sich am IT-Radar vorbei entwickelt. Und genau hier entscheidet sich, ob KI zum Produktivitätshebel wird – oder zum strukturellen Risiko.

Verbieten funktioniert nicht - steuern schon

Eine zentrale These meines Vortrags lautete:

Verbote funktionieren nicht - Steuerung ist die Lösung.

Mitarbeitende werden KI nutzen. Die Frage ist nicht, ob, sondern wie.

Statt isolierter Tool-Freigaben braucht es klare Strukturen:

  • definierte Rollen- und Berechtigungskonzepte
  • nachvollziehbare Protokollierung von KI-Entscheidungen
  • kontrollierte Datenzugriffe
  • sichere technische Architekturen

KI darf kein unkontrolliertes Add-on sein. Sie muss Teil einer durchdachten Infrastruktur werden.

KI ist Infrastruktur - kein Wunschbrunnen!

Zum Abschluss habe ich drei Gedanken mitgegeben:

  1. Was nicht prüfbar ist, ist nicht organisationsfähig.
  2. KI braucht Nachvollziehbarkeit, sonst fehlt einfach Vertrauen.
  3. Souveränität ist Architektur, kein Feature.

Künstliche Intelligenz ist weder Heilsversprechen noch Bedrohung. Sie ist ein Werkzeug und zunehmend eine infrastrukturelle Entscheidung. Ob sie Verwaltungsprozesse stabilisiert oder neue Risiken erzeugt, hängt nicht vom Modellnamen ab, sondern von Führung, Governance und Architektur.

Mein Fazit zur #AI4GOV in Berlin

Super Publikum beim AI4GOV vom Behörden Spiegel

ChatGPT löst kein Verwaltungsproblem.

Verwaltungsprobleme entstehen nicht, weil Wissen fehlt. Sie entstehen durch strukturelle Engpässe, Fachkräftemangel, komplexe Prozesse und hohe regulatorische Anforderungen.

Künstliche Intelligenz kann hier unterstützen. Sie kann Abläufe beschleunigen, Informationen strukturieren, Mitarbeitende entlasten und Entscheidungsgrundlagen verbessern.

Aber sie ersetzt keine Organisation. Und sie ersetzt keine Verantwortung. Die entscheidende Frage lautet nicht: Welches Modell setzen wir ein?

Die entscheidende Frage lautet:
Wie gestalten wir Architektur, Governance und Kontrolle?

Was nicht prüfbar ist, ist nicht organisationsfähig. Was nicht kontrollierbar ist, ist nicht souverän. Und was nicht strukturell eingebettet ist, bleibt ein Risiko. KI ist kein Wunschbrunnen, in den man Hoffnungen wirft. Sie ist eine infrastrukturelle Entscheidung.

Es braucht Innovationsbereitschaft. Es braucht den Mut zur Steuerung. Und es braucht das klare Verständnis, dass technologische Leistungsfähigkeit nicht automatisch organisatorische Reife bedeutet.

Dann wird KI nicht zum Haftungsrisiko, sondern zu einem strategischen Instrument für eine leistungsfähige und zukunftssichere Verwaltung.

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Markus Begerow 🇩🇪Markus Begerow unterstützt Start-ups, Unternehmen und Organisationen dabei, das strategische Potenzial von Daten, künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien zu erschließen. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung analysiert er regelmäßig die digitalen Geschäftsmodelle und den technologischen Reifegrad von Zielunternehmen und identifiziert Möglichkeiten zur Modernisierung von IT-Architekturen, zum Ausbau von Daten- und KI-Fähigkeiten sowie zur Steigerung des langfristigen Geschäftswerts. 🇬🇧About the author: Markus Begerow helps start-ups, enterprises and organisations to unlock the strategic potential of data, artificial intelligence and blockchain technologies. With over 15 years' experience in strategic consultancy, he regularly analyses the digital business models and technological maturity of target companies, identifying opportunities to modernise IT architectures, expand data and AI capabilities, and increase long-term business value.🔗 Connect via: LinkedIn (Follow) | Twitter | Instagram (Follow)

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